Mixa wurde gegangen, und was kommt jetzt?

(hpd) Seit Samstag ist es nun also offiziell: Bischof Mixa aus Augsburg wurde entlassen. Die Medien überstürzen sich und alle Welt schreibt, dass nun alles anders wird. Die Kirche spricht sogar von einem Neuanfang. Kirche und Neuanfang? Passt das zusammen?

Ich meine, dass Mixa als Bauernopfer der katholischen Kirche zu sehen ist. Die Vorwürfe gegen ihn wurden medial so unwiderlegbar, dass ein weiteres Vertuschen und Unter-den-Tisch kehren selbst seinen bisherigen Freunden und Verteidigern unmöglich erscheinen musste. Also musste Mixa gehen, damit das System Kirche weiterhin funktionieren kann.

Diese fast als Wunder an Geschwindigkeit erscheinende Entlassung Mixas spricht Bände: ist es doch das Eingeständnis all seiner Kollegen und Vorgesetzten, schon seit langem über den Umfang seiner Verfehlungen informiert gewesen zu sein. So wirft diese schnelle Entscheidung des Vatikan ein eher fragwürdig trübes Licht auf eben diesen. Und verdunkelt mehr als es aufhellt. So verwundert es auch nicht, dass der Entlassene sich derzeit in der Schweiz erholt.

Die Zeit schreibt unter Berufung auf dpa nicht nur über die Schläge, die Herr Mixa verabreichte, nicht nur über den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs, in der nun die Staatsanwaltschaft ermittelt; sie informiert auch darüber, dass Mixa möglicherweise ein Alkoholproblem hat. Spiegel online vermutet gar, dass der Bischof selbst homosexuell ist und dies auch auslebte. All das ist menschlich, allzumenschlich und wäre nicht der Erwähnung wert. Wenn es denn nicht über jemanden gesagt werden würde, der mit markigen Sprüchen immer und immer wieder genau dies angeprangert hätte.

Meiner Meinung nach ist der Mann noch längst nicht aus seiner Verantwortung entlassen; nur aus seinem Job. Es ist noch einiges an Aufarbeitung nötig, ehe wir gnädig den Mantel des Schweigens über diesen Mann breiten können. Er als Person ist völlig irrelevant. Wichtig jedoch ist das System, für das er steht. Auch nach seiner Entlassung immer noch steht.

Denn selbst wenn die Kirche nun ihr Bauernopfer Mixa hat; die Vorwürfe sind weder aufgeklärt noch aufgearbeitet. Und wenn die Kirchenoberen erleichtert von einem Neuanfang reden, dann steht zu vermuten, dass da noch einiges im Argen liegt. Das Bedauern der Kirche klingt mir zu sehr nach einem Bedauern über das Öffentlichwerden der Verfehlungen. Und weniger nach einem ehrlich gemeinten Willen zur Aufarbeitung.

Sie reden von Neuanfang. Wir sind der Meinung, dass die Aufklärung noch nicht einmal begonnen hat.

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